Schall und Rauch

Monday, July 15th, 2013 |  Author:

Was bisher geschah.
Nach dem Ficker kamen die Surfer. (Nach dem Einzug stand da mal ein Surfbrett auf dem Balkon.) Junge Menschen, mutmaßlich Studenten. Zwei Stück, nicht gleichgeschlechtlich, in einer Beziehung. Er: Groß, blond muskulös. Waschbrett etc. (Neben sowas sehe ich mit meiner Plauze natürlich alt aus.) Er ist auch passionierter Radfahrer. Rennrad und so.
Sie: Leidlich klein, auch blond und zuletzt alarmierend kugelrund. Inzwischen ist man zu dritt.

Nebenan ist man soeben neu eingezogen. Auf dem Balkon ein Bartisch mit Barhockern. Es wird auswärtig parliert. Auf dem Fensterbrett im Wohnzimmer eine Shisha. Noch keine weitere Einschätzung möglich.

Darunter wohnt noch immer der kleine Lockenkopf. Mit seinen Eltern natürlich. Und inzwischen auch mit seiner Schwester Sophia*. Ein kleines wildlockiges Wesen mit einer großen Stimme und einem noch größeren Mitteilungsbedürfnis. Man hört sie lange bevor man sie sieht. Die Eltern sind die meiste Zeit damit beschäftigt, sie zu Ruhe zu ermahnen. Das lässt sie allerdings völlig kalt.
Vorgestern begrüßte sie den Morgen (Okay, den späten Vormittag – aber wir schliefen noch. Zunächst.) mit “Tatütata, die Feuerwehr ist da!” in vielfacher und lauter Wiederholung.
Gestern teilte sie der Öffentlichkeit in ähnlicher Manier “Heute werden 28 Grad und es ist sonnig.” mit.

Unter den Surfern und neben der kleinen Sophia (so der Bezug) ist man auch neu eingezogen. Generell unauffällig. Die mutmaßliche Einweihungsparty füllte den Balkon mit vielen Menschen die sich laut mit einem osteuropäischen Zungenschlag unterhielten. Sehr laut. Sehr lange.

In einem weiteren Haus der Anlage wohnt seit einer Weile der Kleidermann. Das ist jetzt sicher keine Verunglimpfung einer Religion und sollte immer augenzwinkernd verstanden werden. Also packen Sie den Jihad jetzt direkt wieder ein.
Fakt ist nun mal, dass man dort unten dem islamischen Glauben anhängt. Man spricht auswärtig und man(n) trägt gerne auch mal so ein…ja was weiß denn ich wie das sich nennt. Es sieht eben aus wie ein Kleid. Ich kann’s ja auch nicht ändern. Gestern am Frankfurter Flughafen sah wir allerhand ähnlich gewandeter Menschen. Einem katholischer Pfarrer in seinen Klamotten lasse ich übrigens gerne die gleiche Bezeichnung angedeihen, wenn ich ihn so in freier Wildbahn sehe.
So, das muss jetzt aber an politisch korrekter Rechtfertigung reichen.
Der Kleidermann also. Entsprechend des Ramadan isst man momentan bei Kleidermanns sehr spät. Und solange es nicht kleine Hunde und Katzen regnet, was es soeben nicht tut, wird das Fastenbrechen auf dem Balkon begangen. Untermalt mit einschlägiger Musik. Laut. Die Sonne geht momentan so gegen halb zehn unter.

In einem weiteren Haus wohnt der Speckmann.
Ein jüngerer Mensch mit…man muss es schon mal so sagen…ordentlich Speck auf den Hüften.
Der hat sich auf seinem Balkon so ein Liegending mit einem Stoffdach aufgestellt. Und nutzte es nach der Anschaffung gerne semi-bekleidet. Daher auch der Name.
Kurz nachdem er einmal versuchte, sitzend auf diesem Teil eine Pizza zu essen, erschienen Tisch und Stühle auf dem Balkon.
Speckmann kommt oft abends spät heim. Business formal bis business casual. Macht so ein bisschen den Eindruck eines BWLers.

Zwei Etagen unter uns wohnt der Stinker. Es ist schrecklich. Mit der Vormieterin hatten wir uns sehr gut verstanden, sie zog dann aus. Vor zwei oder drei Jahren. Und ließ eine sehr schöne Einbauküche zurück. Mit Abschlagszahlung und so, schon klar. Wie es in der Küche jetzt aussieht möchten man lieber nicht wissen. Seine Waschmaschine steht im Keller neben unserer. Und diese Waschmaschine sieht schon aus…also ekelig ist stark untertrieben. In dieser Waschmaschine lässt man gerne mal die Wäsche liegen. Gewaschen, also nass, gammelt das Zeug dann so vor sich hin. Wer das mal im Selbstversuch testen will: Es beginnt ziemlich schnell zu stinken. Irgendwann wird das Stinkezeug dann auf einen Wäscheständer ausgebreitet. Ausbreiten tut sich dann auch der Müffelgestank.
Was nicht auf den Wäscheständer passt, bleibt nass und den Gestank intensivierend im Korb daneben liegen. Mitunter ist die Waschmaschine auch defekt und überschwemmt immer und immer wieder den Kellerraum mit siffigem Dreckwasser. Das ist unfassbar großes Kino.

Nachbarn

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* Der tatsächliche Name ist der Redaktion bekannt.

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Category: irrenhaus, stuff

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